6061-Aluminium: Vorschub und Drehzahl als praktischer Startpunkt fürs CNC-Fräsen

Sichere Startwerte für Drehzahl, Zahnvorschub, Vorschub und Schnitttiefe beim Fräsen von 6061-Aluminium mit VHM-Schaftfräsern wählen und an der Maschine sauber einfahren.

Veröffentlicht am 30. April 2026 · AI CNC Team

6061-Aluminium lässt sich leichter bearbeiten als Edelstahl, Titan oder gehärteter Stahl. Nachlässige Schnittwerte verzeiht es trotzdem nicht dauerhaft. Meist liegt das Problem nicht daran, dass die Drehzahl um ein paar Prozent danebenliegt. Kritischer ist ein zu schmales Prozessfenster: Späne bleiben im Schnitt, das Werkzeug reibt statt zu schneiden, Aluminium baut sich an der Schneide auf, und die Oberfläche kippt plötzlich.

Dieser Leitfaden beschreibt eine praktische Methode, um Startwerte für das CNC-Fräsen von 6061-Aluminium festzulegen. Die Zahlen sind Ausgangswerte für die Prüfung an der Maschine. Sie sind keine fertigen Serienparameter.

Wenn Sie die Beispiele mit eigenem Werkzeugdurchmesser, Schneidenzahl und Maschinenlimit durchrechnen möchten, nutzen Sie parallel den Vorschub- und Drehzahlrechner.

Schnelle Startwerte

Für allgemeine VHM-Schaftfräser in 6061-Aluminium:

ParameterKonservativer StartbereichHinweis aus der Praxis
Schnittgeschwindigkeit Vc200-500 m/minBei unbekannter Aufspannung nahe 300 m/min beginnen.
Zahnvorschub fz0.05-0.15 mm/toothNiedriger bei kleinen Werkzeugen, langem Ausspannmaß oder Nuten.
Axiale Schnitttiefe beim Schruppen apbis etwa 3 mmReduzieren, wenn Maschine, Vorrichtung oder Werkzeug nachgiebig sind.
Axiale Schnitttiefe beim Schlichten apetwa 0.5 mmBeim Schlichten Stabilität und Wiederholbarkeit priorisieren.
KühlungLuft, Minimalmengenschmierung oder FlutkühlungSpanabfuhr ist wichtiger als Kühlmittelmenge allein.

Diese Werte passen zu den konservativen Vorgaben in der AICNC-Materialdatenbank. Werkzeughersteller können für einen bestimmten Fräser, eine Beschichtung, Schneidengeometrie oder Strategie deutlich aggressivere Werte empfehlen. In diesem Fall sollte die Werkzeugtabelle vor diesem allgemeinen Leitfaden stehen.

Die Grundformeln

Zuerst brauchen Sie drei Werte: Spindeldrehzahl, Zahnvorschub und Vorschubgeschwindigkeit.

RPM = Vc x 1000 / (pi x D)
Vorschub = RPM x Schneidenzahl x Zahnvorschub
MRR = ap x ae x Vorschub / 1000

Dabei gilt:

  • Vc ist die Schnittgeschwindigkeit in m/min.
  • D ist der Werkzeugdurchmesser in mm.
  • ap ist die axiale Schnitttiefe in mm.
  • ae ist die radiale Eingriffsbreite in mm.
  • MRR ist die Materialabtragsrate in cm3/min.

Die Logik ist einfach: Schnittgeschwindigkeit wählen, über den Werkzeugdurchmesser in RPM umrechnen, dann aus Zahnvorschub und Schneidenzahl den Vorschub berechnen. Sandvik Coromant beschreibt die Spindeldrehzahl ebenfalls als maschinenbezogenen Wert aus der Schnittgeschwindigkeit; der Tischvorschub hängt vom Vorschub pro Zahn und der wirksamen Schneidenzahl ab.

Beispiel 1: Allgemeines Schruppen mit 10 mm VHM-Schaftfräser

Angenommen:

  • Material: 6061-Aluminium
  • Werkzeug: 10 mm VHM-Schaftfräser
  • Schneidenzahl: 3
  • Schnittgeschwindigkeit: 300 m/min
  • Zahnvorschub: 0.08 mm/tooth
  • Axiale Schnitttiefe: 3 mm
  • Radiale Eingriffsbreite: 3 mm

Rechnung:

RPM = 300 x 1000 / (pi x 10)
RPM = 9549

Vorschub = 9549 x 3 x 0.08
Vorschub = 2292 mm/min

MRR = 3 x 3 x 2292 / 1000
MRR = 20.6 cm3/min

Das ist ein vernünftiger erster Schruppkandidat auf einer steifen CNC-Fräsmaschine, mit scharfem Aluminiumfräser und guter Spanabfuhr. Wenn die Aufspannung leicht ist, das Werkzeug weit auskragt oder ein Vollnut-Schnitt ansteht, reduzieren Sie zuerst Zahnvorschub und radialen Eingriff.

Beispiel 2: Schlichtschnitt für bessere Oberfläche

Für einen Schlichtschnitt mit demselben 10 mm Werkzeug:

  • Werkzeug: 10 mm VHM-Schaftfräser
  • Schneidenzahl: 3
  • Schnittgeschwindigkeit: 400 m/min
  • Zahnvorschub: 0.04 mm/tooth
  • Axiale Schnitttiefe: 0.5 mm
  • Radiale Eingriffsbreite: 0.5 mm

Rechnung:

RPM = 400 x 1000 / (pi x 10)
RPM = 12732

Vorschub = 12732 x 3 x 0.04
Vorschub = 1528 mm/min

MRR = 0.5 x 0.5 x 1528 / 1000
MRR = 0.38 cm3/min

Beim Schlichten geht es nicht um maximale MRR. Wichtiger sind gleichmäßiger Werkzeugdruck, eine saubere Schneide, berechenbare Durchbiegung und eine Oberfläche, die wiederholbar innerhalb der Toleranz bleibt.

Nuten vorsichtiger einfahren

Nuten sind schwieriger als Seitenfräsen, weil der Fräser auf beiden Seiten im Material steht. Späne haben weniger Platz, die Belastung steigt, und Wärme bleibt nahe an der Schneide.

Für den ersten Nutversuch in 6061:

  • Den Vorschub gegenüber einem Seitenfräswert um etwa 30-50% reduzieren.
  • Einen 2-Schneider oder einen polierten 3-schneidigen Aluminiumfräser bevorzugen.
  • Luft oder Flutkühlung so ausrichten, dass Späne aus der Nut kommen.
  • Axiale Schnitttiefe moderat halten, bis Spindellast und Spanabfuhr bestätigt sind.
  • Am Nutgrund nicht verweilen.

Wenn Späne staubig werden oder das Werkzeug zu pfeifen beginnt, reibt die Schneide wahrscheinlich. Wenn Späne in der Nut stecken bleiben oder an der Schneide kleben, prüfen Sie Eingriff, Spanabfuhr oder Werkzeuggeometrie, bevor Sie einfach alles langsamer machen.

Was gute und schlechte Späne zeigen

Bei 6061 sind die Späne oft das schnellste Diagnosemittel.

Gute Zeichen:

  • Helle, getrennte Späne verlassen den Schnitt sauber
  • Ruhiges Spindelgeräusch
  • Kein Aluminium an der Schneide
  • Gleichmäßige Oberfläche von Teil zu Teil
  • Spindellast bleibt in einem wiederholbaren Bereich

Warnzeichen:

  • Lange, zähe Späne wickeln sich um das Werkzeug
  • Staubige Späne deuten auf Reiben hin
  • Aufbauschneide am Fräser
  • Plötzliche Oberflächenänderung nahe Ecken
  • Lastspitzen beim Einfahren, Ausfahren oder Vollschnitt

Wenn der Prozess falsch klingt, ändern Sie nicht drei Variablen gleichzeitig. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor: Spanabfuhr, radialer Eingriff, Zahnvorschub, danach Schnittgeschwindigkeit.

Sicherer Ablauf für den ersten Schnitt

  1. Werkzeuggeometrie für Aluminium wählen: scharfe Schneide, polierte Spannuten, genug Spanraum.
  2. Mit einer konservativen Vc starten, zum Beispiel 300 m/min als Basiswert für 6061 mit VHM.
  3. Zahnvorschub aus Werkzeuggröße und Aufspannsteifigkeit ableiten.
  4. Mit dem Vorschub- und Drehzahlrechner RPM und Vorschub berechnen.
  5. Spindeldrehzahl, Vorschubgrenze, Leistung, Vorrichtungssteifigkeit und Ausspannmaß prüfen.
  6. Einen kurzen ersten Schnitt mit konservativem Override fahren.
  7. Späne, Geräusch, Spindellast, Oberfläche und Schneide prüfen.
  8. Immer nur eine Variable erhöhen.
  9. Freigegebene Werte mit Werkzeug, Maschine, Kühlschmierung, Halter und Materialcharge dokumentieren.

Dieser Ablauf dauert länger als ein einmaliges Raten. Er ist aber deutlich schneller, als einen Nachmittag lang Rattern und angeschmierte Schneiden zu jagen.

Häufige Fehler

RPM verwenden, ohne den Zahnvorschub zu prüfen

Hohe Drehzahlen sind bei Aluminium normal. Der Vorschub muss dann aber mitsteigen. Wenn die Drehzahl hoch und der Vorschub zu niedrig ist, reibt der Fräser. Reiben erzeugt Wärme, Wärme erzeugt Aufbauschneiden, und die Oberfläche wird schlecht.

Werte von einem anderen Werkzeug kopieren

Ein 2-schneidiger Schruppfräser, ein 3-schneidiger Aluminiumfräser und ein 4-schneidiger Universalfräser können sehr unterschiedliche Spanräume und Schneidengeometrien haben. Wer nur RPM und Vorschub kopiert, übernimmt nicht den eigentlichen Grund, warum der ursprüngliche Prozess stabil war.

Flutkühlung als Allheilmittel behandeln

Kühlmittel hilft, aber die Späne brauchen trotzdem einen Weg aus dem Schnitt. Bei vielen Aluminium-Fräsarbeiten ist gezielte Luft oder Minimalmengenschmierung wichtiger als einfach mehr Flüssigkeit.

Maschinenbeschleunigung ignorieren

Der programmierte Vorschub ist nicht immer der tatsächliche Vorschub. Kurze Wege, Ecken und kleine Konturen erreichen den Sollvorschub oft nicht. Wenn Oberflächenprobleme vor allem in Ecken auftreten, prüfen Sie Werkzeugweg und Steuerungsverhalten, nicht nur die Vorschubzahl.

Empfehlung zum Start

Für eine normale 6061-Aluminium-Fräsbearbeitung: konservativ rechnen, mit einem kurzen ersten Schnitt prüfen, danach anhand von Spänen, Geräusch, Last und Oberfläche nachstellen. Ein brauchbarer Startpunkt ist:

  • Vc: 300 m/min
  • fz: 0.05-0.10 mm/tooth für viele gängige Schaftfräser
  • Starke Spanabfuhr
  • Reduzierter Vorschub beim Nuten
  • Nach dem ersten Schnitt immer nur eine Variable ändern

Danach sollten die eigenen Maschinendaten aus einem allgemeinen Richtwert einen betriebsspezifischen Standard machen.

Hinweise und Quellen

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